Probstzella: „Farbe und Raum – Baumeister Alfred Arndt“

(echo - online 20. Juni 2009  | Annette Krämer-Alig)

Der Architekt Alfred Arndt, der spätere „Bauhaus-Meister der Ausbauwerkstatt” (1929-1931), wurde 1925 als Bauhaus-Student von Walter Gropius freigestellt, um eines der bedeutendsten Bauhaus-Ensembles Thüringens zu errichten und komplett im Sinne des Bauhauses auszustatten: Das „Haus des Volkes” in Probstzella im Thüringer Wald. Die Ausstellung stellt das Farbkonzept des „Haus des Volkes” in den historischen Kontext der Bauhaus-Farblehre - der Bauhaus-Farbkonzepte für Innenräume, zur Malerei und Typografie Alfred Arndts und zu den Textilentwürfen seiner Frau, der Bauhausschülerin Gertrud Arndt.

Im Gespräch kann seine Tochter Alexandra Bormann-Arndt, die mit ihrem Mann das Arndt-Archiv in Darmstadt verwaltet, viel über Alfred Arndt und seine Darmstädter Jahre nach 1948 erzählen: darüber, dass die Familie zu Beginn nur Station machen wollte oder auch über die Darmstädter Kunstszene der Nachkriegsjahre, der der Vater als Architekt, Maler und Mitinitiator des Bauhaus-Archivs angehörte.

Die Tochter spricht dabei noch immer in leicht thüringischem Tonfall, was sie mit den Kindertagen und auch mit dem thüringischen Probstzella verbindet, wo die Familie lange gelebt hat. Dort steht auch das Hauptwerk ihres Vaters aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg: Das „Haus des Volkes“, in dem man zurzeit mit der Schau „Farbe und Raum – Baumeister Alfred Arndt“ an den Bauhaus-Künstler erinnert.

Das Darmstädter Archiv hat viel beigetragen zu der Schau, in der bis Ende August an eine Spezialität des Architekten Arndt erinnert wird: Zum Bau kam bei ihm in den Bauhaus-Jahren die farbliche Differenzierung der Gebäudeteile. Das Farbkonzept des „Haus des Volkes” wird in den Kontext der Bauhaus-Farblehre, zur Malerei und Typografie Arndts und zu den Textilentwürfen seiner Frau, der Bauhauskünstlerin Gertrud Arndt gestellt.

Das Ensemble in Probstzella nennt sich heute „Bauhaus-Hotel“ vor allem deshalb, weil das Haus nach gravierenden Eingriffen zur DDR-Zeit in den vergangenen Jahren restauriert wurde – wo das möglich war, einschließlich der von Arndt vorgegeben Farbgestaltung der Räume und der von ihm entworfenen Innenausstattung.

Wobei diese Gestaltung an der Farbgebung der Wände genauso wie die Innenausstattung nur Teile des einstigen Gesamtkunstwerks spiegeln kann: Nicht nur Stoffe, Möbel, Lampen oder Türgriffe, sondern dazu alle Geschäftspapiere, von der Einladung zur Eröffnung über Speise- und Weinkarten sowie Rechnungen bis zu Plakaten für Veranstaltungen stammten einst aus den Bauhauswerkstätten. Die Möbel entwarfen Arndt, sein Mitarbeiter Ernst Gebhardt und Marcel Breuer, Stoffe und Vorhänge Marlis Heumann, die Lampen kamen aus der Metallwerkstatt, die Möbelstoffe aus der Bauhausweberei, in der seine Frau Gertrud arbeitete.

Man kann Probstzella als Markstein in Arndts frühem, prägenden Schaffen bezeichnen. Hinter diesem Werk verbirgt sich eine persönliche Bekanntschaft. Als er mit dem Bauhaus 1925 nach Dessau zieht, befreundet Alfred Arndt sich mit Gotthardt Itting, dem Sohn des Unternehmers und führenden SPD-Mitglieds Franz Itting. Dieser lässt gerade in Probstzella im Thüringer Wald, das auch D-Zug Station an der Strecke Nürnberg – Berlin ist, ein Hotel mit großem Saal errichten. Es ist ein Volkshaus, soll zugleich aber auch den Tourismus in Probstzella ankurbeln.

Alles ist von Anfang an vor allem auch für Ittings Arbeiter geplant, es soll von allen genutzt werden, wofür der Bauherr beispielsweise Theateraufführungen nach Probstzella holt. Arndt kann den Bauherrn schnell davon überzeugen, die konservativen Baupläne eines Anderen, die bis zum mächtigen fünfgeschossigen Rohbau gediehen sind, gegen die eigenen, moderneren zu tauschen und wird dafür als Bauhaus-Student auch von Walter Gropius freigestellt.

Ab April 1926 ist Arndt fast ausschließlich in Probstzella. Am 1. Mai 1927 wird der Bau eingeweiht. Das Gebäude ist ein Zwitter aus traditionellem Baukörper mit Satteldach und erhält trotz der Vorgaben auch außen noch ein modernes Aussehen. Im Inneren ist die Ausgestaltung frei – wodurch dieses Haus zu den wenigen realisierten Beispielen für komplette Innenausbauten der Bauhaus-Werkstätten werden kann.

Es gibt das gewünschte Theater und ein Kino, wobei der Bauhäusler das bewusst in einfachen Formen gehaltene Gestühl variabel anlegt – was als Foto bis heute immer wieder als Beispiel für Bauhaus-Inneneinrichtungen gezeigt wird. Die Schräge dieses „Roten Saals “ lässt sich ausbauen, wenn nötig, und eine ausgeklügelte Raumtechnik macht es möglich, den großen Raum über Fernwärme aus dem Heizwerk von Franz Itting zu beheizen.

In dieser Architektur bekommen die Farben dann nicht nur am roten Außenbau mit den fast weißen Treppentürmen großes Gewicht. Das von Arndt erstellte Farbkonzept soll die konstruktive Funktion der bauplastischen Elemente hervorheben. Die Farbnamen der Räume dienen der Differenzierung, heißt es in einem jetzt herausgekommenen Flyer zum Bau. So verdankt der „Rote Saal“ seinen Namen genauso der sozialpolitischen Ausrichtung des Hausherrn wie seiner farblichen Gestaltung.

Der Kaffee-Pavillon ist Arndts 1927 gestalteter Ergänzungsbau. Auf der Bauzeichnung ist zu lesen: „außen mit rotem und weißem edelputz versehen, in stützmauerhöhe grauer steinputz; innen decke wie außen mit chromgelber keimscher farbe gestrichen; fußboden rot-weißer terrazo; beleuchtung: 3 weiße kugelleuchten.“ Der „Blaue Saal“ entsteht kurz nach dem Kaffee-Pavillon als Restaurant für 150 Gäste, zum Park hin wird das „Haus des Volkes“ zusätzlich um einen großzügig verglasten Raum erweitert, der als „D-Zug“ bezeichnet wird: Beide Räume betonen ganz im Bauhaus-Sinn das tragende Eisenbetonskelett, Gelb findet sich an der Decke des „Blauen Saals“ sowie im Muster des Linoleumfußbodens.

Davon geht viel verloren in den Kriegs- und Nachkriegsjahrzehnten, auch konnten Eingangsbereich, Treppenhaus und der Ausstellungsraum des heutigen Hotels bei der Rekonstruktion des Hauses nur vergleichbaren Entwürfen Arndts für andere Gebäude nachempfunden werden. Doch spiegelt dieses große Haus in seiner Verbindung von Bau und strukturierender Farbe die grundsätzliche Idee des Bauhauses, Architektur mit den anderen Künsten zu verbinden und noch dazu in den zwanziger Jahren „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ zu schaffen.

 

 


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