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Ehemaliger Grenzbahnhof wurde zum einzigen Museum seiner Art

22.02.2011 Christine Rödel - Grenzbahnhof Museum Probstzella Thüringen

 

Der Bahnhof in Probstzella verband Berlin und München. Hier fanden die Kontrollen für die Reisen in die BRD und DDR statt. Heute ist er ein Museum.

Probstzella ist ein kleiner Ort im Thüringer Wald. Hier befand sich einer der Grenzbahnhöfe, von denen man aus der DDR in die BRD und umgekehrt mit dem Zug reisen konnte. In der Zeit von 1949 bis 1990 passierten auf der Strecke zwischen Berlin und München rund zwanzig Millionen Fahrgäste den Bahnhof in Probstzella.

 

Museum DDR Grenzbahnhof in Probstzella

Das DDR Grenzbahnhof Museum wurde im Herbst 2010 eröffnet. Erneut setzte sich der Journalist und Filmemacher, Roman Grafe, für den Erhalt des Grenzbahnhofes ein. In der Planung war der ursprüngliche dreistöckige Plattenbau, in dem die Kontrollabfertigungen stattfanden, für das Museum vorgesehen. Das Gebäude wurde trotz zahlreicher Proteste im Jahr 2008 abgerissen. Die finanziellen Mittel waren befürwortet und vorhanden, ebenso ausreichend originales Material, um das Museum auszustatten. Was fehlte, war der passende Raum. Die Wahl fiel auf das rote Backsteingebäude, den benachbart gelegenen Bahnhof aus dem Jahr 1885, was von der Gemeinde Probstzella erworben wurde.

 

Roman Grafe und die Museen zum Thema innerdeutsche Grenze

Nur fünf Kilometer entfernt liegt Gräfenthal, einer der Orte, die wie Probstzella auch, im Sperrgebiet der DDR lagen. Roman Grafe war bereits einer der Initiatoren, die im Heimat- und Geschichtsmuseum Gräfenthal die Grenzausstellung mit ausgestattet haben. Im Jahr 2002 veröffentlichte der Autor sein Buch „Eine Grenze durch Deutschland“. Ergebnisse seiner langjährigen Recherche finden sich hier ebenso wieder, wie in den beiden Ausstellungen. Heute befindet sich in dem Bahnhof für den einstigen grenzüberschreitenden Bahnverkehr ein Grenzbahnhofmuseum, was in seiner Art einzigartig ist. Es wird von ehrenamtlichen Helfern betrieben und soll wenigstens 5.000 Besucher im Jahr anlocken.

 

Kontrolle und Warten

Die Ausstellung des Grenzbahnhofmuseums umfasst fünf Räume die sich mit unterschiedlichen Themen befassen. Der 20 Meter lange und circa ein Meter breite Kontrollgang, ist auf einem Foto festgehalten. An dessen Endstation befand sich der Raum, in dem die Kontrolle der Gepäckstücke stattfand. Eine Logik über die Art der Kontrollen war nicht zu erkennen. Wurden beispielsweise die Tuben der Zahnpasta während der Ausreise in die BRD durchleuchtet, so erweckte der Hals des Nachbaus einer antiquarischen Stradevarigeige hingegen kein Interesse. Im nachgestellten Wartesaal mit gehobenen Mitropastil weckt das Foto des originalen Wartesaales Erinnerungen bei den Besuchern aus Ost oder auch West. Das war die Station des Wartens und Schweigens. Wenn Luft knistern kann, so war es die Luft im grenznahen Bereich. Warten auf das Entlassen werden für den Einstieg in den Zug, der hier in Probstzella zur Weiterfahrt in den Westen oder Osten eingesetzt wurde.

 

Der Interzonenzug zwischen Berlin und München

Über vierzig Jahre passierten hier die Interzonenzüge, die meist betagten Passagiere in die weite Welt, zumindest in den anderen Teil Deutschlands, trugen. Das im Museum ausgestellte Zugabteil mit bordeaurotem Kordstoff, weich gepolsterten Sitzen, weckt Erinnerung bei denjenigen, die außerhalb des Grenzbereiches mit diesem Zug fuhren. Die gerahmten Werbebanner in kräftigen Farben mit sehnsuchtweckenden Slogan wie „In Würzburg hat man Zeit zum Leben“ und viele mehr, waren geliebtes Diebesgut, um sich ein Stück Sehnsucht nach den Westen ins heimische Wohnzimmer zu holen. Nachgestellte Büroräume der Kontrollabfertigung, Filmmaterial über Mitschnitte von Originalaufnahmen aus DDR-Zeiten, die Zeitung „Neues Deutschland“ und jede Menge Telefone, Kopien aus den Unterlagen der Staatssicherheit, nach der Wende von Roman Grafe geführte Interviews mit Kontrollbehörden und viele Details mehr erinnern an eine Zeit, in der Menschenrechte mit Selbstverständlichkeit überschritten wurden.

 


Stephan Krawczyk warnt vor Schönfärberei

Zur Eröffnungsveranstaltung im Herbst 2010 war auch Liedermacher Stephan Krawczyk, der bereits vor Mauerfall inhaftiert und abgeschoben worden war, anwesend. In einem Interview warnt er vor der Schönfärberei, die letztlich auch mit der eigenen Mobilität und Jugend, die nun auch mehr als 20 Jahre zurück liege, zu tun habe. Nicht vergessen, darum geht es im Grenzbahnhof-Museum in Probstzella. Zu deutlich sind noch immer die Zeichen und Signale in den Grenzgebieten, das nicht nur zwischen Ost und West spaltete, sondern auch in Dafür und Dagegen.

Das Museum ist sonntags von 14 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Es befindet sich schräg gegenüber dem Bauhaushotel „Haus des Volkes“ in Probstzella, an der B85. Über die Kontaktadresse sind außerdem das von Roman Grafe veröffentlichte Buch und DVD erhältlich.

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