Größtes Bauhausobjekt Thüringens in Probstzella

Hommage an Franz Itting und Alfred Arndt

05.05.2009 Christine Rödel

Haus des Volkes. Probstzella - Christine Rödel

Itting errichtet das Haus des Volkes zur Erholung für seine Arbeiter. Im einstigen Sperrgebiet tanzte man hier nur mit sich selbst. Heute ist es begehrtes Ausflugsziel.

Das größte Bauhausgebäude in Thüringen wurde in Probstzella realisiert. 1925 ließ der Industrielle Franz Itting das Haus des Volkes als Erholungsgebäude für seine Angestellten bauen. Mit dem von ihm vorher errichteten Elektrizitätswerk versorgte er über hundert Ortschaften in der Region. Seine Angestellten sollten sich, im Haus des Volkes, nach den wöchentlich 40 Stunden Arbeitszeit, gebührend vergnügen und erholen können. Es fanden Konzertveranstaltungen und Kinovorführungen statt, außerdem gab es ein eigenes Heilbad. Die humane Fürsorge des Arbeitgebers für seine Angestellten machten ihn zu einem Mythos.

Geläutert von den Machthabenden

Bei seinen Angestellten war er gern gesehen. Den Nationalsozialisten war er ein Dorn im Auge und galt als der Rote Itting. Er wurde ins Konzentrationslager Buchenwald verbannt. Nach Kriegsende war er nicht mehr der Rote Itting. Aus Sicht der Kommunisten war er nun ein Kapitalist und wurde erneut inhaftiert. Nach der Haftentlassung und Enteignung floh er in den 7 km entfernten Nachbarort Ludwigstadt, im westlichen Teil Deutschlands. Seine Heimatsehnsüchte stillte er mit dem Bau eines Aussichtsturms, von dem aus er auf sein so nahes und doch unerreichbares Probstzella schauen konnte.

29jähriger Bauhausstudent, Alfred Arndt, schafft größtes Bauhausgebäude in Thüringen

Itting wählt den damaligen Bauhaus-Studenten Alfred Arndt als Architekten. In Dessau blieb dieser weiterhin beim Bauhaus eingeschrieben. Walter Gropius, der Gründer und Direktor von Bauhaus Weimar, ab 1925 Dessau, stellte ihn für die Realisierung des Baus frei. Mit diesem Auftrag ist der gerade mal 29jährige Arndt voll involviert, da er auch die Möbel, Geschäftspapiere und Plakate mitgestaltet. Jedes Teil der Inneneinrichtung ging in irgendeiner Form durch seine Hände und ist bis zum heutigen Tag in der Form wieder nachempfunden worden. Am 1. Mai 1927 wurde das Haus des Volkes eingeweiht.

Auf Franz Ittings Philosophie maßgeschneidertes Bauhausgebäude

Bei dem Haus des Volkes in Probstzella handelt es sich zum einen um eines der wenigen kompletten Innenausbauten durch Bauhauswerkstätten. Zum anderen zeichnet es sich dadurch aus, dass es sich nur wirtschaftlich trug, solange es mit Ittings Philosophie weitergeführt wurde.

Er entwickelte ein spezielles Lüftungs- und Heizsystem womit das gesamte Gebäude über Fernwärme vom Heizwerk Itting versorgt wurde. Das funktionierte nur so lange, wie das Werk in Betrieb war. Mit der Stilllegung des Heizwerkes wurde es mühselig das große Gebäude zu beheizen. Während der letzten Renovierungsarbeiten wurde das ursprüngliche Lüftungssystem komplett entfernt.

Auch die Versorgung des Haus des Volkes mit Lebensmitteln übernahm er, mit dem Anbau von Obst und Gemüse in eigenen Gärten, selbst.

Das Haus des Volkes ist kein Museum

Nach Auflösung des einstigen Sperrgebietes der DDR und nach der Versteigerung des Gebäudes im Jahre 2003 wurde es komplett renoviert. Heute ist das Haus des Volkes in Probstzella eine Hommage an Franz Itting und Alfred Arndt. Das größte im Bauhausstil realisierte Projekt in Thüringen ist heute beliebtes Ausflugsziel. Im roten Saal finden kulturelle Veranstaltungen statt, im blauen Saal kann man sich kulinarisch verwöhnen lassen oder vergnügt sich mit Bowlen oder Billard. Im Hotel in Bauhausatmosphäre kann man die Seele baumeln lassen oder oder über die vorhandenen W-LAN Verbindungen kostenfrei mit dem Rest der Welt kommunizieren. Das Bauhaushotel ist ganzjährig geöffnet und kann jederzeit reserviert werden. Probstzella, im Thüringer Wald, ist bequem über die B85 zwischen Saalfeld und Kronach zu erreichen.

Aktuell, zum Bauhausjahr, läuft im Haus des Volkes in Probstzella, die Ausstellung Form und Raum. Thema dieser bis zum 30. August 2009 zu sehenden Sonderausstellung sind die Bauhaus-Farblehre und Bauhaus-Farbkonzepte.

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